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Die Experimentierkiste

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Experimentierkiste_13Beim Schulhaus Rietacker steht in der letzten Woche vor den Herbstferien ein Wagenanhänger. Er ist mit grossen grünen Punkten bemalt und beschrieben mit “die Experimentierkiste“. Darin verstaut sind, in perfekter Ordnung, viele Kisten zu den Bereichen Sehen, Hören, Riechen und Schmecken, Tasten und Mathematik. In jeder der Kisten sind das Material und die Anleitung für das Ausführen eines oder mehrerer Versuche versorgt. Da sind viele seltsame Dinge: Windeln, Döschen und Dosen, Pfannen, Blechflöten, Klangschalen, Plastiktonnen, Draht, Schachteln.....

Am Dienstag nach der Zehnuhrpause versammeln sich die Erst- und Viertklässler in einem Schulzimmer. Etwa fünfzig erwartungsvoll leuchtende Augenpaare schauen zu den Lehrerinnen, die erklären, wie die nächsten beiden Stunden ablaufen sollen. Diese Augen zu schliessen, um besser schmecken zu können, was einem in die Hände gelegt wird, ist dann schon die erste Schwierigkeit für viele Kinder. Alle bekommen etwas in die Hand, das gleiche und dürfen es alle miteinander essen, auch die Mütter, die zum Helfen gekommen sind und die Besucherin. Mmh, ein feiner Zopf.....Augen öffnen, heisst es, und der Zopf wird sichtbar, ist rot-grün-gelb-blau gefärbt. Niemand stört sich daran, dass er eine ungewöhnliche Farbe hat.

Experimentierkiste_04Bei der Wandtafel stehen Schalen, gefüllt mit Joghurt und Crèmen in den bekannten Farben, die alle probieren dürfen in den beiden folgenden Stunden. Die Farben stimmen nicht mit dem Geschmack überein, den wir kennen. Das verwirrt, macht für einige das Herausfinden des Gout fast unmöglich.

Nachdem alle Kinder die Anweisungen der Lehrerinnen gehört haben, marschieren sie zu viert in Patengruppen zur Experimentierkiste und nehmen dort eine Kiste entgegen. Das Thema heute ist „Riechen und Schmecken“. Die Kinder suchen sich in drei zur Verfügung stehenden Schulzimmern einen Platz, wo sie ihre Kiste hinstellen. Jetzt beginnt die Arbeit. Ein Viertklässler liest die Anleitung und die anderen hören zu. Haben alle verstanden oder hat wenigstens jemand verstanden, was zu tun ist? Der Text wird eventuell noch einmal vorgelesen. Erstaunlich, wie sich die Viertklässler um die „Kleinen“ kümmern. Dann entnehmen sie der Kiste das Zubehör für das Experiment und probieren aus, was verlangt wird, probieren auch anderes, eigenes. Da sind zum Glück auch Erwachsene in der Nähe, um möglichen Schaden abzuwenden. Verbrennt man sich die Finger an einer heissen Pfanne, oder, wie tönt die eigene Stimme in einer Plastiktonne? Das Ausprobieren macht gwundrig, weckt Entdeckerfreude. Da wird wenig Watte einer Windel in Wasser gelegt, und sie quillt zu einem hohen Berg auf. Aha, darum bleibt das Baby trocken.

Experimentierkiste_14Man kann Popcorn backen, blind den Geschmack eines Traubenzuckers erraten, Lebertran schmecken, mit der Nasenpfeife oder dem Kazu singen und tönen, auf ein Brettlein springen, das auf zwei Rollen liegt, eine Beige Bücher auf vier Eier legen, Wattestäbchen oder Zahnstocher auf der Haut spüren und vieles mehr. Mit den Ohren, Augen, der Nase, dem Mund, den Armen, den Beinen, dem ganzen Körper machen die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen, erleben mit allen Sinnen Folgen des eigenen Tuns, den Umgang mit verschiedenen Stoffen, Materialien, sich selber und kommen einigen Geheimnissen auf die Spur.

Am Schluss versammeln sich alle noch einmal und die Lehrerin fragt: „ Was hat euch am besten gefallen? “Das Popcorn, das Joghurt, der Lebertran, das Drehen auf einem Stuhl, der....“, rufen die Kinder freudig, angeregt. In kleinen Gruppen etwas herauszufinden, die Jüngeren und Älteren miteinander, hat Spass gemacht. Das höre und sehe ich.

Maja Stoffel

 

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